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Freitag, 12. Dezember 2014

Das Kinojahr 2014 im Rückblick



Wieder ist ein (Kino-)Jahr vorbei und wieder ist die Liste meiner Lieblingsfilme um ein paar Einträge länger geworden. 2014 war für mich ein sehr abwechslungsreiches Kinojahr. In den verschiedensten Genres habe ich Filme gesehen, die mich wirklich beeindruckt oder zumindest wahnsinnig gut unterhalten haben. Von Independent-Perlen bis zu den grossen Blockbustern, von grossen Gefühlen bis hin zu Kawumm-Action war eigentlich alles dabei. Deshalb folgen, selbstverständlich stark verzerrt durch meinen persönlichen Geschmack, die Top Filme des Jahres 2014 in den jeweiligen Genres. Starten möchte ich jedoch, damit ich es gleich hinter mir habe, mit dem Hobbit…


Unnötigster Film des Jahres: The Hobbit – The Battle of the Five Armies


Mir schmerzt das Herz, das hier zu schreiben! Ja, der Hobbit Film ist und bleibt einer von nun 6 Mittelerde Filmen. Eine Welt, die ich liebe. Und ja, irgendwann werde ich die BluRay bei den anderen 5 Filmen stehen haben. Und ja, es gab vereinzelt Szenen, bei denen ich gelacht habe oder die mich berührt haben. Trotzdem ist der dritte Teil des Hobbits leider mit grossem Abstand der schlechteste Film der Reihe. Sogar noch schlimmer, es ist einfach kein guter Film und hat nicht mehr viel mit der Qualität der Herr der Ringe Filme gemein. Letztendlich hat dieser dritte Teil die Filmtrilogie des dünnen Buches als das entlarvt, was sie wohl von Anfang an gewesen ist, ich aber nicht wahrhaben wollte: Ein riesengrosser und genialer Marketing-Coup von Peter Jackson und den beteiligten Produktionsfirmen ohne grosse Substanz dahinter. Der Film hat praktisch keine wirkliche Handlung mehr und um ehrlich zu sein, war ausser dem Angriff von Smaug auf Seestadt und der Schlacht um Erebor ja auch nicht mehr viel übrig, was man hätte zeigen können. Wenn Peter Jackson nun also sagt, bzw. gesagt hat, dass man drei Filme drehen musste, weil man so viele gute Szenen und Handlungsstränge hatte, dann klingt das für mich wie Hohn und Spott, nachdem ich den dritten Film nun gesehen habe. Erschwerend kommt hinzu, dass ich viele Effekte (von Smaug einmal abgesehen) erschreckend unausgereift und nicht unbedingt State-of-the-Art fand. Das Buch in zwei Teilen zu verfilmen hätte für mich funktioniert, ich fand die ersten beiden Filme ja auch wirklich gelungen. Hätte man beide Filme jeweils noch 20 Minuten verlängert und alles unnötige Beiwerk aus dem dritten Film entfernt, dann hätte man sich den dritten Film aus meiner Sicht komplett sparen können. Und hätte eben eine Milliarde weniger eingenommen... Ich kann die rein finanziellen Gründe für die Entscheidung also schon nachvollziehen und würde als Studioboss wahrscheinlich ähnlich handeln. Aber ich bin kein Studioboss, sondern Filmfan. Deswegen kann ich diese Entscheidung im Nachhinein einfach nicht gut heissen. Sollen sie doch wenigstens zugeben, dass die Entscheidung rein auf finanziellen Aspekten basierte. Dass es keine kreativen Gründe gehabt haben kann, ist nach dem Film nämlich einfach offensichtlich. Ich weiss nicht, wie lange so etwas noch funktioniert. Wahrscheinlich noch für eine sehr lange Zeit, letztendlich bin ich selbst genauso schuldig daran, wie jeder andere, der sich drei Kinotickets gekauft hat und auch die BluRay kaufen wird, um die Reihe im heimischen Regal zu vervollständigen... Der aufmerksame Leser wird mittlerweile gemerkt haben, dass ich sehr enttäuscht bin! Bevor ich mich nun völlig in Rage schreibe, höre ich also lieber auf und mache mit den Filmen weiter, über die ich mich im Jahr 2014 wirklich gefreut habe...


Überraschung des Jahres: The Secret Life of Walter Mitty


The Secret Life of Walter Mitty ist wirklich ein sehr guter Film. Ich weiss auch gar nicht so genau, warum mich das so sehr überrascht hat, da es durchaus einige Filme mit Ben Stiller gibt, die ich herrlich unterhaltsam finde: Tropic Thunder, Dodgeball, Glauben ist alles, Und dann kam Polly, usw… Vielleicht ist der Hauptgrund ganz einfach der, dass Ben Stiller bisher eher in der „Blödel-Ecke“ einzuordnen war, mit The Secret Life of Walter Mitty nun aber zum ersten Mal einen Film gedreht hat, der etwas mehr Fleisch am Knochen hat. Ich meine mich zu erinnern, dass der Film kurz vor dem Kinostart sogar als „Forrest Gump unserer Generation“ angepriesen wurde. Ob das jetzt tatsächlich gerechtfertigt ist oder eher ein kluger Marketing-Gag war, soll jeder für sich selbst entscheiden. Was ich definitiv sagen kann, ist folgendes: The Secret Life of Walter Mitty ist kurzweilig, unterhaltsam, ungewöhnlich, regt zum Nachdenken an und macht irgendwie glücklich. Eigentlich alles, was man über Forrest Gump auch behaupten kann. Was will man mehr?


Drama des Jahres: Short Term 12


Short Term 12, ein kleines Drama des bis anhin eher unbekannten Regisseurs Destin Daniel Cretton, hat eine wunderbare und unwahrscheinliche Entstehungsgeschichte.  In 2009 schrieb und drehte Cretton einen Kurzfilm mit dem Namen Short Term 12, welcher im gleichen Jahr den „Jury Prize for U.S. Short Filmmaking“ beim Sundance Film Festival gewann. Basierend auf diesem Erfolg schrieb Cretton das Drehbuch für die lange Filmversion. Nach einigen Jahren mühevoller Finanzierungssuche konnte er das Filmprojekt schliesslich realisieren und im Jahr 2012 wurde die lange Version des Films erneut beim Sundance Film Festival aufgeführt und mit Kritikerlob überhäuft. Noch einmal zwei Jahre später in 2014 hat es der Film dann auch in Europa in die Lichtspielhäuser geschafft. Die Handlung fokussiert sich auf eine Einrichtung für Teenager, die entweder Probleme mit Drogen haben, Opfer häuslicher Gewalt wurden oder sonstige Verhaltensauffälligkeiten an den Tag legen. Im Zentrum der Handlung stehen dabei die Betreuer der Einrichtung, allen voran  Grace gespielt von Brie Larson, und die Beziehungen der Betreuer untereinander und zu den Teenagern. Was beim Lesen dieser Zusammenfassung höchstwahrscheinlich unspektakulär und eher langweilig klingt, ist wirklich emotional und packend geschrieben bzw. verfilmt. Wer also einmal Lust auf einen ruhigen Film verspürt, der zwischenzeitlich zwar auch traurig macht, den Zuschauer am Ende jedoch mit einem guten Gefühl entlässt, der kann hier bedenkenlos zugreifen.


Actionfilm des Jahres: The Raid 2 - Berandal


Ein Sequel, welches den bereits grandiosen ersten Teil in so ziemlich allen Belangen in den Schatten stellt. Wahnwitzig, brutal, intensiv und spektakulär. Ein Martial Arts Feuerwerk allererster Güte! Eine ausführliche Kritik findet sich unter folgendem Link:


Animierter Film des Jahres: How to train your dragon 2


Nach The Raid 2 bereits das nächste Sequel auf dieser Liste. Der erste Teil aus dem Jahr 2010 war bereits ein grosser Überraschungshit aus dem Hause DreamWorks, der den Pixar Produktionen in Sachen Qualität und Herz in nichts nachstand. Der Nachfolgefilm erzählt die Geschichte von Wikingersohn Hicks und seinem Drachen Ohnezahn konsequent weiter und beeindruckt einmal mehr mit einer stimmigen Geschichte für gross und klein und Animationen auf hohem Niveau. Egal ob mit seinen Kindern, seiner Freundin oder auch mit guten Kumpels. Diese Filmreihe kann man sich wirklich mit jedem anschauen!


Komödie des Jahres: The Grand Budapest Hotel


Ralph Fiennes, Mathieu Amalric, Adrien Brody, Willem Dafoe, Jeff Goldblum, Harvey Keitel, Jude Law, Edward Norton, Owen Wilson, Tom Wilkinson, Tilda Swinton, Léa Seydoux, Jason Schartzman, Saoirse Ronan und Bill Murray… Was sich liest wie das „Who is Who“ des Hollywood Walk of Fame, ist in Wirklichkeit eine Liste der Darsteller in The Grand Budapest Hotel. Es ist „chic“ in einem Wes Anderson mitzuspielen und scheinbar jeder Darsteller, der heutzutage etwas auf sich hält, möchte mindestens einmal in seinem Leben mit diesem ebenso begnadeten wie aussergewöhnlichen Regisseur gedreht haben. Dieser Ruf, den sich Wes Anderson mit Filmen wie The Royal Tennenbaums, The Life Aquaticwith Steve Zissou, The Darjeeling Limited, Fantastic Mr. Fox und Moonrise Kingdom schwer erarbeitet hat, dürfte durch The Grand Budapest Hotel nur noch bestärkt werden. Ich will hier gar nicht genauer auf die eigentliche Geschichte des Filmes eingehen, sondern vielmehr die Spielfreude des gesamten Schauspielerensembles, die Detailverliebtheit bei den Kostümen und dem Bühnenbild, das exakte Timing der Pointen und die von Anfang bis Ende unkonventionelle und erfrischende Umsetzung herausstreichen. Fairerweise muss man sagen, dass Wes Anderson sicherlich nicht einen massentauglichen Mainstream Humor inszeniert. Das kann er nicht und das will er auch gar nicht. Ich will es auch gar nicht als eine Art intelligenten Humor bezeichnen. Einfach anders, vielleicht ein Stück subtiler. Wer daran Gefallen findet, wird sich in The Grand Budapest Hotel verlieben und gespannt auf Wes Anderson‘s nächstes Projekt warten.


Liebesfilm des Jahres: Her


Spike Jonze verfilmte diese ungewöhnliche Geschichte über einen Mann, gespielt von Joaquin Phoenix, der sich in naher Zukunft in ein intelligentes Betriebssystem, gesprochen von Scarlett Johansson, verliebt. Scarlett Johansson brilliert hier dermassen nur mit ihrer Stimme, dass sogar einige Rufe nach einer Oscarnominierung laut wurden. Joaquin Phoenix ist ebenfalls aussergewöhnlich, wie eigentlich in jedem seiner Filme. Auch sonst wartet der Film mit einer wahren Prachtbesetzung auf. Amy Adams, Rooney Mara, Olivia Wilde und Chris Pratt komplettieren einen mehr als überzeugenden Cast. Die Idee mag trotz der fortgeschrittenen Technik immer noch etwas fremd und absurd erscheinen, ist jedoch wirklich stimmig und mit viel Gefühl umgesetzt. Nebenbei thematisiert Her natürlich auch unsere wachsende Abhängigkeit von der immer mächtigeren Technik und trifft somit sicherlich auch den Nerv der Zeit.



Science Fiction Film des Jahres: Lucy


Wieder Scarlett Johansson, diesmal aber in einem völlig anderen Film von Luc Besson. Zu Beginn des Films spielt Scarlett Johansson, man muss es so sagen, ein naives, blondes Dummerchen, die in den Fängen eines Verbrechersyndikats landet und zu einem Drogenschmuggel missbraucht wird. Dabei wird eine neuartige Droge in einem Plastikbeutel in ihrem Bauch versteckt. Nachdem sie zusammengeschlagen wird, platzt der Beutel auf und grosse Mengen der Wunderdroge gelangen in Lucy’s Blutkreislauf. Was als normaler Actionthriller beginnt, mutiert ab diesem Zeitpunkt zu einem waschechten Science-Fiction Knaller. Der Film basiert nämlich auf der (wissenschaftlich widerlegten) Annahme,  der Mensch verwende nur 10% seiner Gehirnkapazität. Lucy jedoch wird im Laufe des Films unter dem Einfluss der Droge schrittweise auf einen immer grösseren Teil ihres Gehirns zugreifen können. Was sich in einem allerersten Schritt einzig in offensichtlich gesteigerter Intelligenz und Eloquenz und besseren Reflexen ausdrückt, wird im Laufe des Films immer hanebüchenere Ausmasse annehmen. Und obwohl bereits die Grundannahme des Films wissenschaftlich nicht korrekt ist und der Film gegen Ende wirklich abgefahren wird, war Lucy wahrscheinlich trotzdem der kurzweiligste und unterhaltsamste Film, den ich im letzten Jahr im Kino sehen durfte. Ausserdem enthält er die wahrscheinlich beste Autoverfolgungsjagd der letzten Jahre, obwohl auch diese die Beschreibung „hanebüchen“ sicherlich verdient hätte. Der Film kam bei den Kritikern nicht wirklich gut an. Ich weiss auch wieso. Aber das ist mir egal. Lucy rockt!


Coming of Age Film des Jahres: The Spectacular Now


Miles Teller und Shailene Woodley überzeugen in diesem Independent Schmuckstück. Eine genauere Besprechung findet sich unter diesem Link:  


Comic-Verfilmung des Jahres: Guardians of  the Galaxy


Zum Glück ist Guardians of the Galaxy eine Comic-Verfilmung, ansonsten hätte ich ihn als Science Fiction Film einordnen müssen und wäre gezwungen gewesen, Lucy von der Liste zu streichen. Denn: Ich halte Guardians of the Galaxy für eine der besten Comic-Verfilmungen, aber eben auch einen der besten Science-Fiction Filme unserer Zeit und sehe gute Chancen, dass er zum absoluten Klassiker werden wird. Ich habe mich so ziemlich in jeden einzelnen der Charaktere verliebt, das ganze Design war schlicht einzigartig, der Soundtrack war einfach unfassbar gut und perfekt mit der Geschichte verwoben und die Art und Weise, wie es Regisseur James Gunn geschafft hat, innerhalb von Sekunden zwischen epischen Szenen, Slapstick, Drama und Action hin und her zu springen, habe ich so noch nie gesehen. Sicherlich ein absolutes Schmuckstück des sogenannten "Marvel Cinematic Universe". Wir können nur hoffen, dass die Fortsetzungen das Niveau und das unverbrauchte Gefühl bewahren werden.


Thriller des Jahres: Nightcrawler


Jake Gyllenhaal ist Lou Bloom, ein arbeitsloser, schmieriger Nichtsnutz und Dieb ohne grosse Perspektive. Eines Nachts fährt er an einem Unfall vorbei und beobachtet ein Kamerateam, welches die Szenerie und das Opfer aus nächster Nähe für die Morgennachrichten filmt. Dort erkennt Lou Bloom seine Berufung und geht fortan selbst mit Polizeifunk und Kamera bewaffnet auf nächtliche Bilderjagd. Zu Beginn gibt er sich noch mit den Unfallbildern und Tatorten zufrieden, wie er sie vorfindet, doch bald genügt ihm dies nicht mehr. In einem ersten Schritt wird medienwirksam ein Familienfoto neben einem Einschussloch platziert, später wird eine Leiche an einen anderen Ort gelegt… Lou’s Manipulationen nehmen ein immer grösseres Ausmass an, immer auf der Suche nach dem perfekten Video für die Morning News. Dies geht gegen Ende des Films soweit, dass er Verbrecher, Polizisten und Bekannte fast schon nach einem Drehbuch manipuliert um die von ihm gewünschte Szene einfangen zu können. Das beeindruckende an Nightcrawler ist dabei die Tatsache, dass er auf ganz unterschiedlichen Ebenen funktioniert. Wer ihn als ganz gewöhnlichen Thriller sehen möchte, kann dies gerne tun und wird dabei mit grosser Wahrscheinlichkeit bestens unterhalten. Genauso gut kann man ihn als Satire auf die gegenwärtige sensationslüsterne Medienlandschaft interpretieren. Und wenn man diesen Gedanken bereits angedacht hat, dann kann man sogar noch einen Schritt weiter denken und sich überlegen, was es über eine Gesellschaft und jede einzelne Person darin aussagt, wenn es für die Medien quoten- und ertragsmaximierend ist, Skandale, Verbrechen und Morde zu thematisieren und dramatisieren. Letztendlich stellt sich also auch die faszinierende Frage, wie viel Lou Bloom in jedem von uns steckt? Sehr beeindruckend ist ausserdem, wie der eigentlich klassische Schönling Jake Gyllenhaal es schafft, einen Charakter zu verkörpern, der den Zuschauer eigentlich ununterbrochen anwidert. Dass man als Zuschauer trotzdem die kompletten 2 Stunden am Ball bleibt und fasziniert dabei zusieht, wie Lou Bloom agiert und manipuliert, ist ein untrügliches Zeichen für die Qualität der Umsetzung. Absolute Empfehlung!


Bester Film des Jahres: Boyhood


Boyhood ist alles, Komödie, Drama, Liebesfilm und Coming-of-Age in einem. So, wie es ein Film über das Leben und das Erwachsenwerden eben sein sollte. Alleine für die ambitiöse Herangehensweise verdienen Regisseur Richard Linklater und sein Team tiefsten Respekt. Im Sommer 2002 wurden die einzelnen Rollen gecastet, u.a. der damals völlig unbekannte Ellar Coltrane und Linklater’s Stammschauspieler Ethan Hawke in der Rolle des Vaters. Anschliessend wurde 12 Jahre lang in jedem Jahr für einige Wochen gedreht. Der Film konzentriert sich dabei auf die Kindheit und das Erwachsenwerden des von Ellar Coltrane gespielten Mason Evans. Zu Beginn des Films ist Mason 6 Jahre alt, am Ende wird er 18 Jahre alt sein und das College besuchen. Dazwischen begleiten wir ihn auf einer Achterbahnfahrt der Gefühle, durch eine nicht immer glückliche, aber bewegte Kindheit mit vielen einschneidenden Erlebnissen wie der ersten Liebe, dem ersten Liebeskummer und anderen Abenteuern. Für mich der beeindruckendste Film des Jahres!


Was gab es sonst noch?

Meine absoluten Top-Movies 2014 sind also bekannt. Aber es gab wirklich noch so viel mehr,  was sich anzuschauen lohnt! Auf der Comicseite denke ich zum Beispiel an X-Men: Days of Future Past und Captain America: The Winter Soldier. Animiert gab es noch The Lego Movie zu bestaunen, welcher wirklich empfehlenswert ist und mich sehr überrascht hat. Dann war da noch Fincher’s Gone Girl mit Ben Affleck und Rosamunde Pike in den Hauptrollen. Oder The Judge mit Robert Downey Junior und Robert Duvall, genauso wie The Fault In Our Stars mit Shailene Woodley. Scorsese’s The Wolf of Wall Street ist sicherlich ebenfalls eine Erwähnung wert. Genau wie der eher unbekannte Snowpiercer, eine düstere Zukunftsversion, in der sich der Rest der Menschheit in einer künstlich erhaltenen Gesellschaftsordnung in einem fahrenden Zug am Leben hält. Abschliessen möchte ich die Empfehlungen mit dem Schwarz/Weiss Film Nebraska von Alexander Payne. Ein Film, wie sie leider immer weniger gemacht werden…  

Neben dem Hobbit gab es natürlich auch einige andere Filme, die mich enttäuscht zurück liessen. Beispielsweise denke ich an The Wind Rises, Sin City: A dame to kill for, 300: Rise of an Empire und Interstellar. Wenn ich bei diesen Filmen von Enttäuschungen spreche, dann muss ich aber glaube ich etwas genauer erläutern, weshalb das so ist. Keiner der vier Filme ist eine kolossale Beleidigung an alle Cineasten im Ausmass eines Transformers-Movies. Letztendlich könnte ich sogar alle vier Filme zumindest soweit empfehlen, dass ich sagen würde: „Kann man mal gucken“. Die zweiten Teile von Sin City und 300 alleine schon wegen Eva Green…  Aber muss man sie gucken? Darauf lautet meine Antwort nein, im Endeffekt scheiterten alle Filme an den Erwartungen, die ich an sie hatte. The Wind Rises ist die neueste und zugleich letzte Arbeit von Hayao Miyazaki, Mastermind des Studio Ghibli und Schöpfer von Meisterwerken wie Prinzessin Mononoke und Chihiros Reise ins Zauberland. Gemessen an diesen Filmen ist The Wind Rises für mich eine herbe Enttäuschung. Die zweiten Teile von Sin City und 300 scheitern letztendlich daran, dass sie nicht einmal annähernd an ihr Original heran reichen, einfach nichts neues bieten und somit als unnötig bezeichnet werden könnten. Interstellar muss man seine gewagten Ambitionen zu Gute halten und schlecht ist er in der Tat nicht. Man muss ihn aber auch an den Filmen messen, die Christopher Nolan bisher abgeliefert hat. Ich persönlich verehre Christopher Nolan und mag bisher jeden seiner Filme. Memento, The Dark Knight und Inception sind für mich drei absolute Meisterwerke, die auch in vielen Jahren noch einen festen Platz in meinem Herzen haben werden. Gemessen an dieser bisherigen Filmographie war Interstellar einfach nicht gut genug. Mehr als einmal hatte ich das Gefühl, dass gewisse Entscheidungen die Story betreffend nur deshalb getroffen wurden, um entweder beeindruckende Special Effects einbauen zu können oder der Geschichte eine Art von Pseudo-Komplexität zu verpassen. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich finde komplexe und verschachtelte Stories durchaus sehr ansprechend. Aber bei Interstellar kam mir das einfach zu gekünstelt und unnötig kompliziert vor. Aber eventuell habe ich den Film auch einfach nicht verstanden, auch diese Möglichkeit ist nicht ganz auszuschliessen, da bin ich ehrlich…

Nichtsdestotrotz hat auch das Kinojahr 2014 wieder gezeigt: Uns muss nicht Angst und Bange werden, es wird immer noch so viel Qualität produziert, dass es immer wieder etwas Schönes und Neues im Kino zu entdecken gibt! Mit diesem Gefühl freue ich mich auf den ersten Kinobesuch in 2015!

Mittwoch, 3. Dezember 2014

Die Top 5 Gründe High Fidelity zu lieben




Regisseur Stephen Frears ist mit High Fidelity, einer Literaturverfilmung aus dem Jahr 2000 des gleichnamigen Buches von Nick Hornby, ein einzigartiges und sympathisches Stück Filmgeschichte gelungen. Soviel kann ich, ohne das Buch gelesen zu haben und ohne bereits jetzt zu viel verraten zu wollen, mit Fug und Recht behaupten. Dass der Film nahezu jedem, mit dem ich mich bisher darüber unterhalten habe, wirklich sehr gut gefällt, ist einer Kombination unterschiedlicher Gründe geschuldet, die ich im Folgenden in bester High Fidelity Manier in Form einer Top 5 Liste präsentieren möchte. Hier also ohne grosse Umschweife die aus meiner Sicht „Top 5 Gründe High Fidelity zu lieben“:

5. John Cusack in der Rolle des Rob Gordon

„Sympathischer, leicht verpeilter Kumpeltyp Mitte 30 mit Beziehungsproblemen steckt in Lebenskrise.“ So oder ähnlich hätte das Stelleninserat für die Rolle des Rob Gordon lauten können und ich muss ehrlich gestehen, dass ich mir keinen Schauspieler vorstellen kann, der die Rolle besser hätte verkörpern können, als John Cusack. Mit seinem Dackelblick zieht er den Zuschauer schnell auf seine Seite, Frauen dürften ihn in der einen oder anderen Situation bemitleiden und möchten ihn wohl mehr als einmal in den Arm nehmen, Männer hingegen würden sicherlich gerne einmal ein paar Bierchen mit ihm trinken und dabei über Gott und die Welt (und vielleicht auch Ex-Freundinnen) quatschen. Man hofft einfach, dass es gut für ihn ausgeht und er irgendwie noch die Kurve in all dem Chaos kriegt. In einem leider Gottes wahrscheinlich viel zu früh produzierten Remake im Jahr 2020 dürfte die Rolle des Rob Gordon auf jeden Fall genau so schwer neu zu besetzen sein, wie jene von Kevin Bacon im leider bereits gedrehten, aber ebenfalls völlig sinnlosen Remake von Footlose... John Cusack ist für mich Rob Gordon. Basta.

4. Die Top 5 Listen

Die wichtigste Top 5 Liste des Films ist sicherlich Rob’s „Top 5 most memorable breakups“. Diese bestimmt zu grossen Teilen die Handlung des Films, denn nachdem seine Freundin Laura sich von ihm getrennt hat, beschliesst Rob, seine Ex-Freundinnen aufzusuchen um nachzuforschen, was in den jeweiligen Beziehungen falsch lief. Aber auch sonst ist der Film gespickt mit lustigen und interessanten Top 5 Listen, von denen die meisten einen direkten Bezug zur Musik haben. Hier eine Auswahl:


„Top 5 songs about death“
Top 5 songs to play on a monday morning”
Top 5 dream jobs
Top 5 side ones, track ones
„Top 5 things Rob misses about Laura“
„Top 5 musical crimes perpetrated by Stevie Wonder in the '80s and '90s. Sub-question: Is it in fact unfair to criticize a formerly great artist for his latter day sins, is it better to burn out or fade away?“


3. Der ständige Durchbruch der vierten Wand

Bei High Fidelity ist der Zuschauer in der Tat „mittendrin statt nur dabei“. Mehrere Male richtet sich die Hauptperson durch die Kamera direkt an den Zuschauer. Rob Gordon erzählt uns zu Hause auf dem Sofa oder im Kinosessel dabei seine ganz persönliche Geschichte, als ob wir ein guter Kumpel wären, dem er seine Probleme klagen kann. Was unerfahrene Kinogänger zu Beginn vielleicht ein bisschen überfordern oder vor den Kopf stossen könnte, wird mit zunehmender Dauer des Films und mit jedem neuen Durchbruch schnell Normalität und erzeugt eine Nähe und Identifikation mit dem Hauptcharakter, die in dieser Art und Weise selten in Filmen erreicht wird. Natürlich ist das Durchbrechen der vierten Wand schon in vielen anderen Filmen als Stilmittel benutzt worden (ich denke hier beispielsweise an Funny Games, Die fabelhafte Welt der Amelie, Annie Hall oder in jüngerer Vergangenheit an die Serie House of Cards), meistens jedoch nur in einzelnen Szenen und nicht in dem Ausmass und mit der beabsichtigten Wirkung wie in High Fidelity.

2. Barry (und seine Band, die Sonic Death Monkeys)

Jack Black spielt Barry, einen von zwei „allwissenden“ Mitarbeitern in Rob’s Plattengeschäft. Zynisch, arrogant und saukomisch lässt er jeden, der weniger von Musik versteht als er selbst (also praktisch alle), seine gottgegebene Überlegenheit spüren und punktet in mehr als einer der bereits angesprochenen Top 5 Listen mit unschlagbarem Fachwissen. Auch Rob selbst bekommt das ein oder andere Mal von Barry die Meinung gesagt, denn dieser lässt in Sachen Musik keine zweite Meinung zu. Als Rob beispielsweise Smells Like Teen Spirit in eine seiner Top 5 Listen aufnehmen möchte, platzt Barry höchst unterhaltsam der Kragen: „Oh, that's not obvious enough Rob. How about the Beatles? Or fucking... fucking Beethoven? Side one, Track one of the Fifth Symphony... How can someone with no interest in music own a record store?

Ein weiteres Highlight sind die Diskussionen zwischen Rob und Barry um die Sonic Death Monkeys. Eine Band, bei denen Barry als Leadsänger fungiert und die Rob aufgrund des Bandnamens und Barry’s Charakter durchaus Angst einjagt. Rob (und auch der Zuschauer selbst) muss oder darf jedoch sehr lange warten, bis Jack Black schliesslich hinter das Mikrofon tritt, allerdings kann ich hiermit versprechen, dass das Warten sich lohnt.

1. Der Soundtrack

Ganz klar, ein Film über einen Plattenladenbesitzer und weitere Musiknerds braucht einen ungewöhnlichen, vielseitigen und schlicht und ergreifend überragenden Soundtrack. Und obwohl ich Galaxien davon entfernt bin, die hellste Birne im Musikgeschäft zu sein, so erkenne auch ich einen guten und vor allem zum Film passenden Soundtrack, wenn ich ihn höre. Auch die vielen Lieder, die einfach nur in den unzähligen Top 5 Listen aufgezählt werden, und von denen ich leider nur wenig Ahnung habe, dürften wahren Musikkennern sicherlich Freude bereiten. Auf imdb findet sich für den interessierten Kenner eine vollständige Liste aller Songs:

http://www.imdb.com/title/tt0146882/soundtrack

Und wenn wir schon beim Soundtrack sind, dann passt hier vielleicht zum Abschluss auch noch eines meiner Lieblingszitate des gesamten Filmes: „Did I listen to pop music because I was miserable? Or was I miserable because I listened to pop music?

Fazit: High Fidelity ist eine wunderbare, ungewöhnliche und leichtfüssige Beziehungskomödie mit durchaus ernsten Grundtönen, die man wirklich jeder und jedem nur wärmstens empfehlen kann. Ganz speziell aber werden hier sicherlich musikaffine Kinogänger und Fans von Jack Black und/oder John Cusack ihren Spass haben.

Persönliche Bewertung: 5 von 5 Schallplatten für dieses ausserordentliche Schmuckstück.